Unter welchen Bedingungen entstehen autoritäre Orientierungen und wie verwandeln sie sich in kollektive Bewegungen? Die Vorlesung untersucht dieses Spannungsfeld zwischen individueller Erfahrung und gesellschaftlicher Dynamik aus politisch-psychologischer u. soziologischer Perspektive. Im Zentrum stehen frühkindliche Prägungen, emotionale Bindungsmuster u. familiäre Sozialisation sowie deren Zusammenspiel mit massenpsychologischen Dynamiken, gesellschaftlichen Polarisierungen u. Krisenerfahrungen. Aufbauend auf Arbeiten von Le Bon, Freud und Adorno sowie aktuellen empirischen Befunden werden sozialpsychologische Erklärungsansätze mit strukturellen Analysen sozialer Verunsicherung, Desintegration und Deutungskonflikten verknüpft. Die Vorlesung vermittelt theoretische und empirische Grundlagen zur Analyse autoritärer Haltungen in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und diskutiert deren Relevanz für rechtspopulistische Mobilisierungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Religion und Religiosität: als Teil identitärer Erzählungen, als autoritätsstützender Faktor, aber auch als potenzielle Ressource demokratischer Resilienz. Die Vorlesung läd zur interdisziplinären Diskussion ein, auch im Hinblick auf aktuelle Herausforderungen liberaler Demokratien. Im Zentrum steht dabei ein Verständnis politischer Kultur als Ausdruck tief verankerter Einstellungen, die unter Bedingungen gesellschaftlicher Krisen an politischer Wirkkraft gewinnen können.
- Trainer/in: Katja Winkler
- Trainer/in: Alexander Yendell